Nominierungen

Die Nominierungen für Potsdamer Kongress-Preis 2015 stehen fest

Potsdam gilt längst als internationaler Tagungsort für Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und Kultur. Und der Trend hält an, immer neue Kongresse zieht es in die Landeshauptstadt, so dass Innovationen und Strahlkraft das Profil erweitern. Die besten Tagungen sollen am 10. November zum fünften Mal ausgezeichnet werden. Bewertungskriterien für den Kongress-Preis waren wieder Internationalität, Organisation, neue Formate, wirtschaftliche Relevanz für die gesamte Region. Auch berücksichtigte die Jury, welche Impulse von Potsdamer Tagungen in die Forschung fließen.

Die Auszeichnung ist für alle drei Kategorien mit je 1.000,- € dotiert.

Zusätzlich wird der Kongress mit der besten interdisziplinären Ausrichtung gewürdigt. Dafür hat die Stiftung pearls eine Sonderprämie in Höhe von 1.000,- € ausgelobt.

Insgesamt beteiligten sich an der Ausschreibung für den Kongress-Preis so viele Tagungen wie nie zuvor. Unter 28 Bewerbungen hatte die Jury auszuwählen. Die Nominierten sind

Kategorie 1: Regelmäßig wiederkehrende Veranstaltungen (ERFA-Gruppe)

Beilstein Glyco-Bioinformatics Symposium, Unravelling Glycan Complexity: Das seit 2009 alle zwei Jahre stattfindende Beilstein Glyco-Bioinformatics Symposium hat sich in Potsdam zu einem wichtigen Treffpunkt der Szene entwickelt. Die Zusammenführung von Biologie und Glychochemie mit Informationstechnologien, um das junge Forschungsgebiet der Zucker-Bioinformatik international zu etablieren, hat Strahlkraft für einen Wissenschaftszweig, der sich in Potsdam mit jungen Ausgründungen und Forschungsstellen am Standort Golm zukunftsweisend entwickelt. Die verhältnismäßig kleine Teilnehmerzahl mit 70 Personen aus vier Kontinenten und die Konzeption des Kongresses mit viel Freiraum für Diskussionen und die Entwicklung gemeinsamer Ideen konnte die Jury ebenso von der Qualität der Veranstaltung überzeugen wie das umfangreiche Rahmenprogramm und die Evaluation als Grundlage für die folgenden Kongresse.

Satellite galaxies and dwarfs in the Local Group: Der 11. Thinkshop des Leibniz-Instituts für Astrophysik stand im vergangenen Jahr im Zeichen der Kosmologie. Rund 130 Wissenschaftler aus der ganzen Welt fanden für sechs Tage auf dem Telegrafenberg zusammen, um sich unter dem Titel „Satellite galaxies and dwarfs in the Local Group” über den neuesten Stand kosmologischer Forschung zu informieren und auszutauschen. Die Jury konnte von diesem wissenschaftlich hochkarätig besetzten Kongress in fast allen Kriterien vom Rahmenprogramm über die Imagewirkung für Potsdam bis hin zur Berücksichtigung von Gleichstellung – Teilnehmer aus Entwicklungsländern wurden eingeladen und eine Kinderbetreuung angeboten - überzeugt werden. Im Nachgang der Konferenz sind wiss. Publikationen aus Forschungskollaborationen entstanden, die auf Kontakten und Problemstellungen der Tagung basieren. Nur in der öffentlichen Wahrnehmung wurde nicht gepunktet.

PhDay 2014 - Networking // Training // Information: Rund 150 Potsdamer Promovierende treffen sich für einen Tag, um die eindrucksvolle Vielschichtigkeit ihrer Dissertationsprojekte sichtbar zu machen, sowie sich gegenseitig Anregungen zu geben und sich untereinander zu vernetzen. Die Tagung lebt von der Spannung, Promovierende anderer Fächer für das eigene Thema zu begeistern und sich dazu auszutauschen. Überzeugen konnte diese Veranstaltung durch ihren integrativen Aspekt in Gleichstellungsfragen und die Familienfreundlichkeit. Dieser in seinen Formaten abwechslungsreich organisierte Tag hat durch die gute Einbindung in die Wissenschaftslandschaft eine hohe Imagewirkung für Potsdam und hilft das Profil der Landeshauptstadt als Magnet für wissenschaftlichen Nachwuchs weiter zu schärfen.

Kategorie 2: Einzelveranstaltungen (DEHOGA Brandenburg)

8th International Congress of Dipterology (ICD8): Auf dem Weltkongress der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, der nur alle vier Jahre ausgerichtet wird, trafen sich knapp 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 46 Ländern von sechs Kontinenten zum Erfahrungsaustausch. Die Dipterologinnen und Dipterologen kamen aus den unterschiedlichsten Fachgebieten wie der Biodiversitätsforschung, Evolution, Morphologie, Ökologie, medizinischer und forensischer Entomologie oder dem Naturschutz. Dieser Kongress konnte die Jury nicht nur in der wissenschaftlichen Bedeutung, sondern auch in allen weiteren Kriterien überzeugen, vom umfangreichen Rahmenprogramm, über die auch überregional wahrgenommene Pressearbeit bis hin zur Auswahl des Ortes. Potsdam ist neben Oxford der bisher einzige europäische Austragungsort, der im Rahmen eines zwei Jahre dauernden Bewerbungsverfahrens ermittelt wurde. Entsprechend hoch ist das internationale Renommee für den Austragungsort, die Organisatoren vor Ort und die beteiligten Institute.

Ikebana International 8th European Regional Conference 2014 Potsdam: Die Ikebana-Konferenz brachte ein internationales Publikum aus 30 Ländern der Welt nach Potsdam, um über verschiedene Ikebana-Schulen zu informieren und über Workshops und Ikebana-Vorführungen neue Techniken zu lehren. Hauptattraktion war ein Workshop und eine zweistündige, öffentliche Ikebana-Vorführung der Direktorin der größten Ikebanaschule SOGETSU aus Tokio im Hans-Otto-Theater. Den Unterlagen ist eine große Begeisterung des Organisationsteams für diese Veranstaltung zu entnehmen. Durch den Kongress sind Teilnehmer nach Potsdam gekommen, die ansonsten kaum in der Landeshauptstadt zu Gast gewesen wären. Die alle vier Jahre stattfindende Konferenz gehört zu den weltweit Wichtigsten in ihrer Branche und überzeugte durch ein vielseitiges Rahmenprogramm und eine auch für Nicht-Kongressteilnehmer zugängliche Ikebana-Ausstellung.

IAG (International Association of Geodesy) Scientific Assembly 2013 on the occasion of the 150th anniversary of the IAG: Ein Kongress der Extraklasse: Die Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche (Geodäsie) umfasst die geometrische Bestimmung der Figur der Erde, die Betrachtung der Erdrotation und die flächenhafte Messung der Erdanziehung. Die Geodäsie blickt auf eine 150jährige Geschichte zurück, heute ist sie Bestandteil jeder Erforschung von Geo- und Umweltphänomenen. Der 150.te Jahrestag wurde im Rahmen des Tagungsprogramms mit einem „Historischen Tag“ zur Geschichte der Geodäsie am Telegrafenberg begangen. In diesem Zusammenhang wurde auch eine Ausstellung zur Geschichte der Geodäsie in den Räumen der Bibliothek des Wissenschaftsparks eröffnet, die für vier Wochen auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich war. Mit einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm für die über 500 Teilnehmer aus 46 Ländern, die sechs Tage in Potsdam verbrachten, und einer umfangreichen Presseberichterstattung machte der Veranstalter die Bedeutung des Deutschen GeoForschungsZentrums für den Wissenschaftsstandort Potsdam deutlich.

Kategorie 3: Innovative und/oder außergewöhnliche Veranstaltung (Preis der Landeshauptstadt Potsdam)

Verschwörungstheorien in der aktuellen europäischen Krise: Argumentationsstrategien, Kognitive Konzepte, Stereotypenbildung, Bildrhetorik: Die bisherige Forschung zu Verschwörungstheorien beschränkte sich auf Einzelfälle aus den Geschichtswissenschaften, der Soziologie und im amerikanischen Raum auf eine kulturwissenschaftliche Herangehensweise. Der Kongress grenzt sich davon ab, indem ein Schwerpunkt auf semiotische, soziokulturelle und kommunikations-wissenschaftliche Perspektiven bzgl. Verschwörungstheorien in der aktuellen europäischen Krise gelegt wird. Beeindruckend ist, dass der Blick zu einem Zeitpunkt auf ein gesellschaftsrelevantes Thema gerichtet und der Kongress im März 2015 stattfand, als das Thema gerade erst von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Dieser Kongress zeigt paradigmatisch den Sinn von Geisteswissenschaften, wenn sie auf die Gesellschaft treffen. Die überregionale Presseberichterstattung zeigt, dass ein Nerv der Zeit getroffen wurde.

Forschendes Lernen. Forum für gute Lehre: Fachhochschulen stehen für die Verbindung von Lehre und Forschung, mehr als Universitäten, denen der Praxisbezug oftmals abgeht. Die Konferenz „Forschendes Lernen“ widmete sich erfolgreich der Frage: Wie lässt sich Forschendes Lernen in der Hochschule verankern? Vertreten waren alle deutschen Universitäten und Fachhochschulen, die sich mit Forschendem Lernen beschäftigen. Die nationalen, im Fach bekannten „Größen“ hielten Keynote-Vorträge. Der Kongress zeigte durch den Einsatz innovativer Konferenz-Formate wie Murmelgruppen und Hooks, dass die Form den Inhalt kongenial ergänzen kann. Die Veranstaltung fällt durch den starken Praxisbezug auf und überzeugte die Jury nicht zuletzt auch durch ein umfangreiches Begleitprogramm und einen fortlaufenden Konferenz-Blog.

MathPsych 2013 – 46th Annual Meeting of the Society for Mathematical Psychology: In der Verbindung von Psychologie mit math.-naturwissenschaftlichen Modellen wird davon ausgegangen, dass die Seele des Menschen berechenbar ist. Damit werden Überzeugungen aufgebrochen, an welche die Gesellschaft seit Jahrzehnten glaubt – mehr Innovation ist kaum möglich. Das wissenschaftliche Programm bestand aus vier Veranstaltungsformaten: Keynote-Talks, eingeladene Symposia, Vortragspräsentationen in Parallelsitzungen und Poster Sessions wechselten einander ab. Die „MathPsych“ 2013 zeigt auf vorbildhafte Weise, wie innovative Form und innovativer Inhalt einander ergänzen. Ein sehr besonderer Kongress mit einem ganz speziellen Thema, etwas für wissenschaftliche Feinschmecker!

Die Jury besteht aus den folgenden Mitgliedern:

  • Jurysprecherin: Silke Engel, Universität Potsdam
  • Mareike Doepner, Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Marketing der Landeshauptstadt Potsdam
  • Stefan Frerichs, Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Potsdam
  • Arndt Gilka-Bötzow, DEHOGA Brandenburg
  • Jan Kixmüller, PNN
  • Marion Maturilli, AG Wissenschaftskommunikation
  • Kathrin Rother, ERFA-Gruppe der Premiumhotels
  • Silke Brodersen, Ph.D., pearls – Potsdam Research Network

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