Meine Oma baut im Garten Gemüse an, die ich im Laden noch nie zu sehen bekommen habe, woran liegt das? [Saskia, 13 Jahre]

In Deutschland werden nur wenige Gemüsesorten in größeren Mengen konsumiert. Das hängt mit den Ernährungsgewohnheiten der Menschen zusammen und mit der Industrialisierung von Landwirtschaft und Gartenbau. Wenn die frische Ernte nach wenigen Tagen auf dem Transportweg oder in der Auslage des Ladens unansehnlich wird, lässt sie sich nicht mehr verkaufen.

Ausländische Gemüsehändler haben etliche bei uns unbekannte oder in Vergessenheit geratende Gemüsearten im Angebot: Frischen Koriander, Okra, Schlangenbohnen, auch Gurken-, Paprika- und Zwiebelsorten. Manches davon wandert allmählich in die deutsche Küche ein: Auberginen, Brokkoli, Knollenfenchel in jüngerer Zeit. Die heute allgegenwärtige Tomate hat es schon vor ca. 100 Jahren geschafft, lange vor dem Gemüse-Paprika.

Viele Gemüsearten sind und bleiben hingegen verschwunden: Z. B. der Gemüseampfer, die legendäre Rapunzel (nicht zu verwechseln mit dem "Rapünzchen" genannten Feldsalat) und der Knollenkümmel. Die Gartenmelde verwelkt so schnell, dass sie am Tag der Ernte verarbeitet werden muss, also gleich. Wer die damit gekochten Gerichte mag, muss diese Pflanze selbst anbauen. Vom Garten direkt in die Küche - das ist der kürzeste Weg.


Dr. Thomas Gladis, Ackerdemia e.V., Biologe und Kulturpflanzenforscher

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