Der Planet braucht ehrgeizigere Emissionsgesetze

Ob die Luft künftig sauberer oder schmutziger wird, hängt entscheidend von den Schadstoff-Emissionen und dem Klimawandel ab. In einer neuen Publikation analysieren Autorinnen und Autoren die Prognosen für die künftige Luftqualität und vergleichen die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, Nutzpflanzen und Ökosysteme. Sie zeigen: Um deutliche Verbesserungen zu erzielen, müssen die Emissionen stärker sinken als es die gegenwärtige Gesetzgebung vorschreibt. Die Politik sollte zudem Luftreinhaltungs- und Klimapolitik wirksamer miteinander verknüpfen.

In der Übersichtsarbeit analysiert ein Team um IASS-Wissenschaftlerin Erika von Schneidemesser aktuelle Literatur, die mit Hilfe von Szenarien die Auswirkungen unterschiedlicher Ausmaße von Luftverschmutzung auf die menschliche Gesundheit, Nutzpflanzen und Ökosysteme prognostiziert. Während es zahlreiche Modelle mit Fokus auf der menschlichen Gesundheit und auf Nutzpflanzen gibt, standen Ökosysteme bei der Zukunftsmodellierung bislang nicht im Fokus. Die wenigen vorhandenen Modelle nutzen zudem Methoden, die nicht gut vergleichbar sind mit den Berechnungen für Gesundheit und Nutzpflanzen. Hier sieht das Autorenteam Nachholbedarf.

In Asien könnten die Feinstaub-Emissionen sinken

Die Szenarien machen deutlich, dass die Gesetze zur Emissionsminderung weltweit ehrgeiziger sein müssen, um Verbesserungen für die Gesundheit zu erzielen. Verringerte Feinstaubbelastungen wirken sich stärker aus als niedrigere Ozonwerte. Vor allem für asiatische Länder wird eine Reduzierung der Feinstaub-Emissionen prognostiziert, weil dort zunehmend bessere Technologien zur Anwendung kommen - etwa bei der Müllentsorgung oder den Fabrik-Abgasen. Die größten Gesundheitseffekte sind in den betroffenen Städten und Regionen zu erwarten, aber es wird auch ein Einfluss auf die Luftqualität in Nachbarländern prognostiziert.

Pflanzen profitieren von reduzierter Ozonbelastung

Für die Pflanzenzucht ist eine verminderte Ozonbelastung besonders wirksam, denn Ozon führt zu Schäden an Blättern, verfrühter Alterung, verminderten Zuwächsen und Ernteerträgen sowie Qualitätseinbußen bei landwirtschaftlichen Produkten. Eine Reduzierung der Ozonbelastung – und in der Folge bessere landwirtschaftliche Möglichkeiten – wird für verschiedene Regionen prognostiziert, die entsprechende Politikmaßnahmen umsetzen.

Unzureichend ist die Datenlage bezüglich der Auswirkungen von Luftverschmutzung und Klimawandel auf die Ökosysteme. Jedoch deutet vieles darauf hin, dass diese besonders langfristig und komplex sind.

Frühzeitiges Handeln zahlt sich auch finanziell aus

Die Autoren ziehen aus ihrer Analyse den Schluss, dass die Auswirkungen von Luftqualitäts- und Klimaveränderungen ganzheitlich betrachtet werden müssen. Die meisten Modellrechnungen seien auf einen einzelnen der untersuchten Bereiche – Gesundheit, Pflanzenzucht oder Ökosysteme – fokussiert.

„Für wirksame Politikmaßnahmen ist es aber notwendig, nicht nur die Luftqualitäts- und Klimapolitik als zwei Seiten derselben Medaille zu sehen, sondern auch ihre Auswirkungen in verschiedenen Sektoren integriert zu betrachten“, sagt IASS-Wissenschaftlerin Erika von Schneidemesser. Nur so könnten Synergien bei Luftqualitäts- und Klimapolitik erreicht und Zielkonflikte vermieden werden. Die Kosten für die Maßnahmen, darin stimmen die meisten Studien überein, werden durch den Nutzen weitgehend kompensiert oder sogar übertroffen.

Original-Publikation: von Schneidemesser Erika, Driscoll Charles, Rieder Harald E., Schiferl Luke D.: How will air quality effects on human health, crops and ecosystems change in the future? Phil. Trans. R. Soc. A. 37820190330 2020. http://doi.org/10.1098/rsta.2019.0330

Foto: Shutterstock/ Kelvon Helen Haboski

Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS)

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