Wie baue ich ein Haus, das man nicht heizen muss? [Matthias, 32]

Jedes Haus hat Wärmeverluste. Wenn es draußen kälter ist als im Haus, fließt Wärme über die Außenflächen des Hauses (Außenwände, Dach, über den Erdboden). Aber auch mit dem notwendigen Luftaustausch (Atemluft, Abfuhr von Feuchtigkeit und Schadstoffen) ist ein Wärmeverlust verbunden. Man spricht von sog. Transmissionswärmeverlusten (Wärmestrom über die Außenbauteile) und den Lüftungswärmeverlusten (Austausch von warmer Raumluft gegen kalte Außenluft). Um die gewünschten behaglichen Raumtemperaturen aufrecht zu erhalten, müssen diese Verluste ausge¬glichen werden, also z.B. durch Wärmezufuhr an den Raum durch einen Heizkörper oder einen Ofen. Der Raum bekommt aber nicht nur eine Wärmezufuhr durch solch ein Heizsystem, sondern auch durch die Sonneneinstrahlung durch die Fenster und durch die Wärmeabgabe z.B. von Haushaltsgeräten, Computern, aber auch von den Personen im Raum (sog. freie Wärme oder Fremdwärme).

Will man auf eine konventionelle Heizung eines Gebäudes völlig verzichten, so müssen also vor allem die Wärmeverluste auf möglichst niedrige Werte begrenzt werden. Dies erreicht man durch eine gute Wärmedämmung der Außenbauteile (Außenwände, Fenster, Dächer usw.). Die Lüftungswärmeverluste können durch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung deutlich verringert werden. Dazu wird die verbrauchte und warme Abluft über einen Wärmeübertrager geleitet , in dem sie sich abkühlt und dabei die zuströmende kalte Außenluft erwärmt. Solche Gebäude, die über die meiste Zeit des Jahres keine zusätzliche Heizwärme mehr benötigen, werden Passivhäuser genannt. Die Wärmeverluste werden fast vollständig durch die freie Wärme gedeckt. In der Praxis werden aber auch diese Passivhäuser mit einer kleinen Heizungsanlage ausgestattet, um den Restwärmebedarf bei sehr niedrigen Außentemperaturen zu decken. Ein völliger Verzicht auf eine Heizungsanlage wäre nur bei einer extrem dicken Wärmedämmung möglich, die aber sehr teuer wäre und aufgrund der dicken Wände auch einen Verlust an Wohnfläche mit sich bringt.

Man kann aber auch eine Heizungsanlage vorsehen, die keine fossilen Brennstoffe (Heizöl, Erdgas usw.) verbrennt, sondern den Restwärmebedarf aus einer Solaranlage bezieht oder durch Verbrennung von nachwachsemden Brennholz erzeugt. Da die Sonne gerade im Winter wenig und nur schwach scheint, haben diese "Solarhäuser" meistens große Wassertanks als Wärmespeicher, mit dem Sonnenwärme in Zeiten mit hoher Sonneneinstrahlung in Zeiten mit hohem Wärmebedarf verschoben werden kann.


Prof. Dr.-Ing. Günter Mügge studierte an der Technischen Universität Berlin Energie- und Verfahrenstechnik. Er promovierte am Institut für Heizungs- und Raumlufttechnik in Berlin und arbeitete 14 Jahre in einem Unternehmen, das die Heizkosten für Millionen von Wohnungen abrechnet und auch die Messgeräte dafür entwickelt. 2007 wurde Günter Mügge als Professor für das Fachgebiet Energiemanagement an die Hochschule Lausitz berufen. Außerdem ist er Studiendekan für den Master-Studiengang "Klimagerechtes Bauen und Betreiben" sowie Prodekan der Fakultät für Bauen.

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