Zukunftsstädte sind Experimentierorte für Kreativität und Innovationen

An die Städte der Zukunft wird eine Vielzahl unterschiedlicher Anforderungen gestellt. Energieeffizient und ökologisch nachhaltig sollen sie sein, eine hohe Lebensqualität zu bezahlbaren Preisen bieten, sich historisch authentisch und zugleich modern darstellen und nicht zuletzt hochinnovativ und wirtschafts-stark sein. Am IRS forschen Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen an diesen Teilaspekten der Zukunftsfähigkeit von Städten. Mit mehreren The-menheften des Institutsmagazins „IRS aktuell“ stellt das IRS im Wissen-schaftsjahr „Zukunftsstadt“ Erkenntnisse aus der Forschung vor. Erster Teil: Städte brauchen Freiräume zum Experimentieren.

Große Städte gelten seit Jahrtausenden als wichtigste Keimzelle für wirt-schaftliche Entwicklung. Die Marktfunktion im Mittelalter oder die große Bevölkerungskonzentration in der Zeit der Industrialisierung waren Garan-ten für die ökonomische Zukunftsfähigkeit der Städte. Daran hat sich grund-sätzlich nicht viel geändert, doch die Hintergründe ihrer ökonomischen Be-deutung haben sich beständig weiterentwickelt. Ein wesentlicher Faktor ist heutzutage die Fähigkeit zur Innovation, also zum Generieren, Katalysieren und Verwerten von neuen Ideen. „Innovationsförderung ist daher eine we-sentliche Säule der Wirtschaftsförderung von Städten, sie unterstützen Technologieparks, Gründerzentren oder Wissenschaftscluster“, sagt IRS-Abteilungsleiter Prof. Dr. Oliver Ibert. „Dabei fällt allerdings eine Schieflage auf, denn Innovationen entstehen nicht nur in der Hochtechnologie oder in teuren Laboren.“ Große Städte böten ein enormes Potenzial für soziale, nutzergetriebene und dienstleistungsorientierte Innovationen. Dafür seien keine teuren Labore nötig, sondern kostengünstige Freiräume, eine offene Kultur des Experimentierens und das besondere Milieu kreativer Städte.

Experimentierorte können so verschiedenartig sein wie die Raumpioniere, die sie besetzen, oder die Enthusiasten, die kleine Start-Ups für die Vermark-tung ihrer Ideen gründen. Ein Blick in das Berlin der Nachwendezeit zeigt die enorme Bandbreite der Möglichkeiten der innovativen Kraft von Freiräumen – von Kultur- und Erlebnisorten bis zu Labs oder Co-Working-Spaces, so IRS-Abteilungsleiterin Prof. Dr. Gabriela Christmann. „Die Stadt verfügte nach 1990 über einen großen Vorrat an innerstädtischen Brachflächen, die kos-tengünstig und kreativ genutzt werden konnten.“ Sie wurden sowohl in gro-ßem Maßstab „beplant“, etwa am Potsdamer Platz, als auch experimentell erobert und temporär genutzt wie etwa durch die „Tentstation“ in Berlin, die nicht nur urbanes Campen inmitten der Großstadt anbot, sondern zu-gleich Ort für Modenschauen, Konzerte und Freiluftkino war. Entscheidend seien jedoch nicht nur die physischen Freiräume, sondern auch die kulturelle Inspiration und spontane Kreativität, die sich damit verbindet, so Christ-mann. Das Image Berlins als offene, tolerante Stadt und als Mekka der Start-Up- und Kreativszene trage ebenso zur regen Innovations- und Grün-dungstätigkeit bei wie die Existenz unbebauter Grundstücke oder leerste-hender Gebäude. „Für die Zukunftsfähigkeit großer Städte in Bezug auf In-novationen ist es daher wichtig, solche Freiräume zu erhalten oder zu schaffen“, so Christmann.

Im IRS werden mehrere Teilaspekte dieser Prozesse intensiv beforscht. In der Abteilung von Prof. Ibert stehen die Quellen und Pfade der Innovationen
und ihr besonderes Verhältnis zum Urbanen sowie die neuen Experimentierorte wie Labs und Co-Working-Spaces im Fokus. Die Abteilung von Prof.
Christmann hingegen analysiert das Wirken städtischer Raumpioniere, soziale Innovationen und Zwischennutzungen. In dieser Publikation werden diese
Forschungen für die Zukunft der Städte vorgestellt.
IRS aktuell No. 82 „Urbane Experimente“ steht unter folgender Adresse zum Download zur Verfügung:
http://www.irs-net.de/publikationen/irs-aktuell/index.php?id=49

Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung e.V. (IRS)

Das IRS wurde 1992 als „Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung“ neu gegründet. Es war als Ergebnis einer positiven Evaluierung durch den Wissenschaftsrat mit veränderter …
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