Es taut! Was passiert in der Arktis?

Information 02/2020
Potsdamer Köpfe in der Wissenschaftsetage

Am Samstag, den 18. Januar um 11:00 Uhr, erfahren die Besucherinnen und Besucher der Wissenschaftsetage in der Vortragsreihe „Potsdamer Köpfe“, warum es in der Arktis taut und welche Auswirkungen diese Erwärmung auf das globale Klima hat. Im Kurzvortrag und in Comics präsentiert Dr. Michael Fritz, Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, im Rahmen der Veranstaltung „Unterwegs im Licht“ Aktuelles aus der Permafrost-Forschung.

Foto: Erosion und Materialtransport entlang der Yukonküste in der kanadischen Arktis © Michael

Die Arktis – nirgendwo sonst auf der Erde erwärmt sich das Klima heutzutage schneller. Was zunächst verlockend klingt und Chancen für Industrie und Schifffahrt verspricht, birgt große Risiken für Mensch und Umwelt auf lokaler, regionaler und globaler Ebene. Denn ein Großteil der arktischen Landmassen ist bis heute von dauerhaft gefrorenen Böden, sogenanntem Permafrost, geprägt. Das sind immerhin 20 Millionen Quadratkilometer, auf denen Menschen leben, arbeiten und wo wirtschaftliche Aktivitäten stattfinden.

Dort, wo die Jahrestemperaturen tief genug sind, kann der Boden im Winter tief durchfrieren und taut in den Sommermonaten nur in den oberen Schichten auf. So gibt es Regionen in Sibirien, in denen der Permafrost bis zu 1.000 m tief reicht und seit mehreren einhunderttausend Jahren überdauert hat.

„Seit mehreren Jahrzehnten erleben wir in der gesamten Arktis eine stetige Temperaturzunahme der Permafrostböden. Außerdem beobachten wir dramatische Auftauerscheinungen, die das Leben der lokalen Bevölkerung massiv unter Druck geraten lässt. Wenn Permafrost taut, dann wird das eingeschlossene Eis flüssig und die darauf stehendenden Gebäude werden instabil. Eisenbahnschienen und Straßen geraten in Schieflage, Pipelines können bersten und Sümpfe können sich bilden. Aktuelle Schätzungen legen nahe, dass die Kosten zur Beseitigung von Schäden durch Permafrosttauen bis zum Ende des Jahrhunderts mehrere Billionen Euro betragen werden“, urteilt Dr. Michael Fritz.

Auch die Landschaften verändern sich massiv. Küsten brechen verstärkt ab, ganze Landstriche vernässen, Seen laufen plötzlich aus, Rutschungen transportieren große Mengen Material in Flüsse und Küstengewässer. Selbst ganze Berghänge werden instabil und stürzen zu Tal.

„Global gesehen, gibt es einen weiteren wichtigen Aspekt: Im Permafrost stecken riesige Mengen Kohlenstoff. Man kann sich Permafrost als gefrorenen Boden vorstellen, in dem nicht zersetzte Tier- und Pflanzenreste seit Hunderttausenden von Jahren eingefroren sind. Mit der starken Erwärmung der Arktis fängt der Boden an zu tauen. Mit ihm taut auch der Kohlenstoff, der zu Treibhausgas werden kann, wenn Mikroorganismen aufwachen und ihn zersetzen. Damit wird der Permafrost relevant für das globale Klima. Schon heute gehen wir davon aus, dass sich unsere Erde allein durch tauenden Permafrost um bis zu 0.2°C zusätzlich bis zum Ende des 21. Jahrhunderts erwärmt“, so Dr. Michael Fritz.

Der Wissenschaftler Dr. Michael Fritz am Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Er hat Geographie in Greifswald studiert und seine Promotion in Geowissenschaften an der Universität Potsdam in Zusammenarbeit mit dem AWI erstellt.

In der Vortragsreihe Potsdamer Köpfe in der Wissenschaftsetage erfahren die Gäste Aktuelles und Spannendes aus Wissenschaft und Forschung und schauen den Expertinnen und Experten aller Disziplinen bei ihrer Arbeit über die Schulter.

Parallel zum Vortrag in der WIS findet in der Stadt- und Landesbibliothek ein kostenloses Vorleseprogramm für Kinder in der Kinderwelt statt.

Foto: Dr. Michael Fritz © AWI/Sina Löschke

Weitere Infos unter: www.wis-potsdam.de

| 18.01.2020 | 11:00 – 12:00 Uhr
| Wissenschaftsetage | WIS | 4. OG | Raum Volmer
| Eintritt: 5,00 Euro | Schüler und Studierende frei

Pressekontakt
Andrea Jacob
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
WIS im Bildungsforum
Am Kanal 47
14467 Potsdam
E-Mail: jacob@prowissen-potsdam.de
Telefon: 0331 977 4592

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