Einschneidende Justiz – Internationale Tagung zu körperlichen Strafen in der vormodernen Welt

Peitschenstriemen, Blendungen, Tattoos oder gar Verstümmelungen: Die Menschheitsgeschichte ist voll von Bestrafungen, die den Verurteilten in ihre Körper „eingeschrieben“ werden. Jener „Justice carved into the body“ in der vormodernen Welt widmet sich eine internationale Tagung, die vom 22. bis 24. September an der Universität Potsdam stattfindet. Welche Rolle spielten körperliche Strafen in unterschiedlichen Rechtssystemen vom 18. Jahrhundert v. Chr. bis zum Beginn der Moderne? Wie wurden Könige oder Priester körperlich bestraft und wie Sklaven oder einfache Menschen? Und wie lebten körperlich Bestrafte mit den Urteilen, die ihnen oft deutlich anzusehen waren? Diesen und weiteren Fragen gehen die Teilnehmenden der Konferenz nach, zu der die Professur für die Geschichte des Altertums eingeladen hat.

„Körperliche Bestrafungen, die den Körper des Verurteilten versehren und ihn dadurch sofort als ‚Verbrecher‘ erkennbar machen, sind schon in den frühen Hochkulturen weit verbreitet, beispielsweise im Codex Hammurapi im 18. Jahrhundert vor Christus“, erklärt Prof. Dr. Filippo Carlà-Uhink, der die Tagung organisiert hat. „Diese Formen von Bestrafung übernehmen eine besondere Relevanz dort, wo sie nicht auf den Tod des zu Bestrafenden zielen. In diesen Fällen bleiben das Urteil und seine Durchführung am Körper des Verurteilten für alle anderen, die in derselben Gesellschaft und in demselben Strafsystem leben, sichtbar und lesbar.“

Die Tagung soll zeigen, dass verstümmelnde körperliche Bestrafungen einen zentralen Bestandteil vormoderner Strafsysteme bildeten. In ihren Beiträgen gehen die teilnehmenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Formen körperlicher Bestrafungen aus Justizsystemen verschiedener Epochen nach, von den ersten schriftlichen Dokumenten bis ins 17. Jahrhundert und mit einem Fokus auf Gesellschaften rund um das Mittelmeer.

„Welche Rolle körperliche Strafen in den vormodernen Gesellschaften spielten und was sie für jene bedeuteten, die forthin mit ihren Spuren leben mussten, ist noch weitgehend unerforscht“, sagt Filippo Carlà-Uhink. „Wir wollen dazu beitragen, diese Lücke zu schließen.“
Die Tagung, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird, findet in Präsenz auf dem Campus Am Neuen Palais sowie online statt. Interessierte Gäste sind willkommen und werden gebeten, sich bis 19. September unter sekretariat-altertum@uni-potsdam.de anmelden.

Weitere Informationen: https://www.uni-potsdam.de/de/hi-altertum/index/neuigkeiten/standard-titel

Kontakt:
Prof. Dr. Filippo Carlà-Uhink, Professor für Geschichte des Altertums
Tel.: 0331 977-1262
E-Mail: filippo.carla-uhink@uni-potsdam.de

Medieninformation 16-09-2021 / Nr. 083
Matthias Zimmermann

Universität Potsdam
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