Gegen das Vergessen und für religiöse Vielfalt –deutsch-irakische Kooperationen

Im Herbst 2014 wurden im Nordirak Tausende jesidische Frauen, Kinder und Männer von Terroristen des sogenannten Islamischen Staats (IS) getötet. Die Geschichte des Genozids an den Jesiden 2014/15 hat Dawood Khatari durch 300 Interviews mit Überlebenden dokumentiert. Die Potsdamer Religionswissenschaftler Dr. Stefan Gatzhammer und Prof. Dr. Johann Ev. Hafner haben die deutsche Ausgabe samt wissenschaftlicher Artikel vorgelegt. Am 1. Dezember wird das Buch an der Universität Potsdam vorgestellt. Mit dabei sind auch betroffene Jesiden, die von ihren Erlebnissen erzählen werden. Am Abend wird zudem die Webseite des deutsch-irakischen Kooperationsprojekts „Mapping Religious Erbil“ präsentiert. Das Vorhaben dokumentiert die religiöse Vielfalt der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan, die als eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Siedlungen der Welt gilt. Die Veranstaltung findet online statt und wird live übertragen.

Das Buch „Ferman 74“, dessen deutsche Ausgabe vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert wurde, dokumentiert auf ca. 600 Seiten eine Auswahl von über 200 Aussagen jesidischer Überlebender. „Es zeigt deutlich die von langer Hand geplanten Abläufe, die Selektion der einzelnen Gruppen, die sexuellen Misshandlungen an Mädchen und jungen Frauen, den Menschenhandel in Syrien sowie die Tötung Tausender junger Männer und älterer Personen“, sagt Professor Johann Hafner. „Die Berichte belegen, dass die jesidische Bevölkerung in der Region Sintschar im Nordirak zum Hauptziel der vor allem religiös motivierten Vorgehensweise der IS-Terroristen wurde.“
Ergänzt werden die Berichte von wissenschaftlichen Analysen zur Geschichte der Fermane, zum internationalen Strafrecht, zur Menschenrechtsfrage, zur militärisch-strategischen Ausgangslage, zum Jesidentum aus historischer und religionswissenschaftlicher Perspektive sowie zu den Interviews aus psychologischer Sicht.

Vor wenigen Wochen erst haben Forschende und Studierende des Potsdamer Instituts für Religionswissenschaft den Nordirak bereist. Dabei haben sie im Projekt „Religious Mapping Erbil“ zusammen mit Erbiler Kollegen und Kolleginnen die religiöse Landschaft der Hauptstadt Erbil kartiert. „Neben der Mehrheitsreligion des Sunnitentums existieren dort noch die viel älteren Kirchen der Syro-Orthodoxen, Chaldäer und Armenier. Einerseits wandern sie in Scharen in andere Länder aus, andererseits entstehen vor Ort neue Gemeinden“, erklärt Dr. Gatzhammer. „Während unserer Reise haben wir wenig bekannte Richtungen wie die Neo-Zoroastrier oder Mandäer getroffen und Spuren jüdischen Lebens erkundet. Wir haben die Gläubigen und ihre Prediger interviewt, die Gebäude und Riten beschrieben und die Strukturen der Gemeinden analysiert.“
Vom 26. November bis 3. Dezember werden nun die irakischen Partner in Potsdam zu Gast sein, um gemeinsam an dem Projekt weiterzuarbeiten. Die Ergebnisse des „Mapping“-Vorhabens werden in einem Buch publiziert und auf einer Internetplattform zusammengestellt. Die Webseite www.religious-mapping-erbil.krd wird bei der Veranstaltung am 1. Dezember präsentiert.

Medienvertreter, die die Veranstaltung besuchen möchten, können sich anmelden unter presse@uni-potsdam.de. (Bitte beachten Sie, dass gemäß der aktuellen Eindämmungsverordnung des Landes Brandenburg für die Veranstaltung das 2G-Modell angewendet wird. Zutritt erhalten ausschließlich vollständig geimpfte oder genesene Personen mit einem entsprechenden Nachweis. Dieser ist am Einlass vorzulegen.)

Der Livestream der Veranstaltung: https://www.youtube.com/watch?v=f8Ivc9EpHs0
Das Online-Tagebuch der Reise der Potsdamer Forschenden und Studierenden online: https://www.uni-potsdam.de/de/up-entdecken/upaktuell/up-unterwegs-reiset...
Webseite des Projekts „Religious Mapping Erbil“: www.religious-mapping-erbil.krd

Zeit: 1.12.2021, 18.00 Uhr
Ort: Campus Am Neuen Palais, Am Neuen Palais 10, 14469 Potsdam, Haus 8, Audimax
Kontakt: Prof. Dr. Johann Ev. Hafner, Institut für Religionswissenschaft
Telefon: 0331 977-1506
E-Mail: johann.hafner@uni-potsdam.de

Medieninformation 26-11-2021 / Nr. 105
Matthias Zimmermann

Universität Potsdam
Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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