„Militärische Gewaltkulturen“ – Neue DFG-Forschungsgruppe untersucht Gewalt in Kriegs- und Friedenszeiten

Wie und in welchem Ausmaß bildeten sich spezifische militärische Gewaltkulturen in den Armeen der europäischen Großmächte seit der Frühen Neuzeit? Diese und weitere Fragen untersucht die neue Forschungsgruppe „Militärische Gewaltkulturen – Illegitime militärische Gewalt von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart“ an der Universität Potsdam, die in den kommenden drei Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Mit ihrer Arbeit wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein wichtiges Desiderat sowohl der Militärgeschichtsschreibung als auch der Gewaltforschung schließen: Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses steht zeitgenössisch als illegitim aufgefasste physische Gewalt sowohl in Kriegs- als auch in Friedenszeiten. Deshalb gilt ein besonderes Augenmerkt der Frage nach den sich wandelnden Maßstäben von Legitimität und Illegitimität der Gewalt.

„Die Forschungsgruppe befasst sich mit den osmanischen, österreichischen, französischen, deutschen, russischen Streitkräften und den Armeen des britischen Empire. Letzteres schließt Kanada und Südafrika mit ein“, sagt Prof. Dr. Sönke Neitzel, Sprecher der Forschergruppe und Professor für Militärgeschichte und Kulturgeschichte der Gewalt an der Universität Potsdam.

Durch die Einführung des Konzepts der „militärischen Gewaltkulturen“ soll das durch zahlreiche Einzelfallstudien dokumentierte, teilweise sehr unterschiedliche Gewalthandeln regulärer Streitkräfte systematisch beschrieben und erklärt werden. Ziel mehrerer Teilprojekte ist es, die militärischen Gewaltkulturen in synchronen und diachronen Studien zu identifizieren, deren Bestimmungsfaktoren herauszuarbeiten und ihre Bedeutung und ihren Erklärungswert für das militärische Gewalthandeln der jeweiligen regulären Gewaltakteure einzuordnen.

An der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsgruppe sind neun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Potsdam, Göttingen und Bochum sowie von der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam beteiligt. Kooperationspartner ist das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. Vier der neun Forscherinnen und Forscher im Projekt kommen von der Universität Potsdam.

Kontakt:
Prof. Dr. Sönke Neitzel, Sprecher der Forschergruppe „Militärische Gewaltkulturen“ und Professor für Militärgeschichte und Kulturgeschichte der Gewalt
Tel.: 0331 977-4940
E-Mail: soenke.neitzel@uni-potsdam.de

Medieninformation 12-07-2021 / Nr. 057
Magda Pchalek/ Matthias Zimmermann

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